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Heimspiel: Hamsterrad der Empörung (mit Omid Nouripour)

Shownotes

Omid Nouripour war Bundesvorsitzender der Grünen und ist mittlerweile Bundestagsvizepräsident. “Empört euch nicht” heißt sein Buch, das gerade erschienen ist – ein Plädoyer gegen die Empörungskultur unserer Tage. Stichwort: Strandkorb-Gate. Dass wir vielleicht nicht jedem Skandälchen hinterherrennen müssen – okay. Aber was tun, angesichts eines skandalös erstarkten Rechtspopulismus? Schließlich muss Nouripour von Berufs wegen täglich die Ruhe, die Neutralität bewahren. Wie er selbst mit AfD-lern umgehen – aber im Fußball schon mal die Nerven verlieren kann, darüber spricht er mit Wolfgang in dieser Folge Heimspiel.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Guten Morgen, lieber Wolfgang!

00:00:03: Zunächst einmal möchte ich dir sagen du hast mich in deinem sehr schönen Gespräch mit Mariam Lau kurz ein wenig schmunzeln lassen und zwar als du nämlich mit einer gewissen Radlosigkeit Mariam Law auf den etwaigen Kanzler-Tausch angesprochen hast.

00:00:17: Und dann insinuiert es man könnte doch bei der CDU in der Regierungskoalition doch wie bei Jürgen Klopp quasi jetzt da, also da friebe ich mehr zum Ende Bild zu bleiben.

00:00:28: Der Nagelsmann ist möglicherweise der Berti Vogts, dass man ihn austauschen könne und dann mit dem klopschen Geist neue Kräfte entfacht.

00:00:38: Und ich hörte die Folge und saß aber die ganze Zeit im Auto Und dachte, ja sicher.

00:00:43: Aber wer soll denn in dieser Konstellation der Klopp sein?

00:00:46: Der war im Wartestand weil man wusste, man hat da einen richtig guten.

00:00:53: Also mir würde spontan jemand einfallen, der im Süden unserer Republik lebt eine großartige politische Karriere vorzuweisen hat und ansonsten sich für jeden Posten dieser Welt für geeignet hält.

00:01:05: Das ist absolut zutreffend.

00:01:07: Du meinst natürlich Edmund Stoiber, der mit u.a.

00:01:10: mit seiner Erfahrung vielleicht doch noch zu späten Kanzler Ehren kommen würde?

00:01:15: Ja, sehr schön.

00:01:16: Und der wiederum würde dann Jürgen Klopp um den Kreis zu schließen zum Rassismusbeauftragten machen.

00:01:21: Fantastisch!

00:01:22: Das klingt für mich nach einer runden Geschichte.

00:01:25: Jetzt da wir reden – weil wir uns ja gerne über Fußball unterhalten und den Spaß entgönnen wir jetzt natürlich noch – hast du das Spiel gegen Serbien geguckt?

00:01:32: Ich habe das Spiel against Serbin geguckt.

00:01:34: Das war ein gutes Spiel.

00:01:35: Serbin war sehr schwach aber gibt er diese Regelmann spielt nur so gut wie es der Gegner zulässt.

00:01:40: Aber dass es nun eine solche Jahrhundertveranstaltung ich jetzt im Nachhinein überall gelesen habe oder wie mir auch das ZDF, dass versucht hat gestern beizubringen als wir reden miteinander Freitagmittag.

00:01:53: Also das hat sich mir jetzt nicht so ganz erschlossen.

00:01:55: Sehr dich, wieder mal als kritischen Geist!

00:01:57: Ich habe mich natürlich stumpf wie ich bin komplett davon anzun lassen... also einzig und allein meine Seriosität hat es geboten dass ich hier nicht im kompletten Deutschland Outfit sitze inklusive Kappe und fahre.

00:02:09: Ich hab alles abgehängt, dass wir hier

00:02:11: in Ruhe reden

00:02:12: können aber ich muss sagen.. also natürlich jetzt kommt ein Satz, das hätte man auch nicht gedacht, dass man den mal sagen würde.

00:02:19: Serbien ist nicht Griechenland?

00:02:21: Nein Eindeutig der Fall.

00:02:23: Und doch, muss ich sagen hat es mir sehr gut gefallen einfach mal zu sehen dass da eine junge Truppe ist.

00:02:29: man musste zwar jeden zweiten Namen googeln aber die haben wir sehr gut gefallen und ich dachte das macht ja richtig Spaß sie haben er richtig Bock und vor allen Dingen auch Spielfreude und das ist ja jetzt zunächst einmal erstmal was sehr positives absolut und Sie hätten auch sehr viel höher gewinnen können vielleicht sogar müssen.

00:02:44: also da gab's ein paar Dinger aufs Tor die so wenige Zentimeter am Fristen vorbei gegangen sind Und rund um klar, es war eine Steigerung gegenüber den beiden ersten Spielen in jedem Fall und völlig ohne Frage.

00:02:56: Die große Diskussion, die Klopp danach versucht hat abzuwirken wird kommen.

00:03:02: Wird das mit Kimmich so weitergehen oder gibt's da ein paar jüngere und schnellere, die möglicherweise den Platz dann einnehmen können?

00:03:09: Jetzt kommt wieder die gute alte Stefan Ross Moderationsschule.

00:03:13: Ein sehr großer Fußballfan, ein bekennender Frankfurter!

00:03:16: Das ist ja dein Gesprächspartner?

00:03:19: Einen bekennenden Frankfurther, einen Fan von Eintracht Frankfurt der sich auch schon selbst verletzt hat bei einem Torjubel und hinterher beim Betrachten seiner Hände und dem Blut das an den Händen war nicht mehr wusste wie es passiert ist.

00:03:35: Also das ist ein Hardcore-Fan.

00:03:40: Ja gut, wie soll man sagen immer noch davon ausgeht Eintracht Frankfurt ist der kommende deutsche Meister.

00:03:45: Es gibt ein paar andere Vereine die was dagegen haben will sagen.

00:03:48: Omit Nuri Pohr, der stellvertretende Bundestagspräsident.

00:03:52: Der frühere Vorsitzende von Bündnis Neunzig die Grünen ist ein wirklich ein Fan wie ihn sich jeder Verein nur zusammen basteln

00:04:01: könnte.".

00:04:01: Das

00:04:02: ist so!

00:04:02: Das ist absolut richtig, wo Bagger ja annehmen müsste dass er, der die meisten Zeit in Berlin verbringt, gar nicht viel Zeit haben dürfte da in Frankfurt regelmäßig aufzulaufen?

00:04:10: Familie glaube ich lebt in Frankfurt.

00:04:12: also dann gibt es halt diese Pendeldiplomatie sagt man glaub ich in der Politik die man ja dann auch auf den Fußball übertragen könnte.

00:04:20: Und ich meine, die Alternative in Berlin zu gucken ist härter oder Union und vielleicht würde ich dann auch eher Richtung Frankfurt gucken.

00:04:30: Und ihr habt in eurem Gespräch nämlich an einfach eine gute dreiviertel Stunde lang das Buch von Robert Habeck rezensiert?

00:04:35: Ich hoffe es doch sehr!

00:04:37: Nein wir haben sein eigenes Buch rezänziert dass da heißt Empört euch nicht Hintergrund Wir leben ja auch medial befeuert in einer Phase pausenloser Emotionalisierung und die jeden Tag wird eine neue Empörung saude durchs Dorf getragen.

00:04:53: Diese Woche überragend Philipp Amthor, der sich da irgendeinen Strandkorb ins Bundeskanzler an... Strandkorbb-Gate?

00:04:59: Ja!

00:05:00: Und dann empört man sich.

00:05:03: irgendwie kann er nur.

00:05:04: also nach allem was man weiß hat das Ding selber bezahlt.

00:05:06: es gab ein ZDF Dreh und Fernsehleute wie ihm sage ich dass die brauchen ja auch ein paar Bilder als so einen Strandkorbst aus Mecklenburg vor, aber man ist auch nicht ganz schlecht.

00:05:15: Und dann fragt sich oder kann man sich fragen, was ist schlimmer?

00:05:20: Ist diese Empörungsnummer einfach schlimmer oder ist die Reaktion von Amthor dieses Ding dann zügig abzubauen schlimmer.

00:05:28: Ja, ich glaube es ist ein sehr, sehr guter Anlass, ein solches Buch zu veröffentlichen und auch einen sehr, very goode Anlass über ein solches Buch zu sprechen.

00:05:37: Und mit wem besser als mit dir?

00:05:38: Ja vielen Dank!

00:05:39: Und eins noch das ist die Parallelze Mariam Laufe in letzter Woche.

00:05:43: Auch Omid Nuripur hat iranische Wurzeln.

00:05:46: Er hat die ersten dreizehn Jahre seines Lebens in Tehran im Iran verbracht.

00:05:51: Die Familie ist dann aus politischen Gründen nach Deutschland gegangen Und er blickt auch mit sehr viel Sorge und letztlich auch mit viel Trauer auf das, was in diesem Land passiert.

00:06:02: Und diese neunzig Millionen Menschen die sich ja eigentlich von Gott und der Welt vom amerikanischen Präsidenten im Stich gelassen fühlen.

00:06:12: Ja, sehr spannend!

00:06:13: Bin sehr gespannt auf euer Gespräch.

00:06:15: Wolfgang ich wünsche dir ein herrliches Wochenende und jetzt da die Folge ausgestrahlt wird und die Menschen das führen gehe ich davon aus, dass du bereits einen ganz heftigen Post-Einheitsfeierkarte hast.

00:06:27: Deswegen wünsche ich dir natürlich ein möglichst entspanntes Ausdurchteil!

00:06:32: Das wünsch' ich dir auch im entsprechenden Trikot bis dahin.

00:06:36: Vielen Dank, ciao.

00:06:38: Es ist Sonntag der vierte Oktober.

00:06:43: Apokalypse

00:06:45: und Filtercafé Heimspiel das Interview am Sonntage mit Wolfgang Heim.

00:06:55: Er ist seit anderthalb Jahren der Bundestagsvizepräsident.

00:06:59: Er war davor Bundesvorsitzender von Bündnis Neunzig, die Grünen und sein aktuelles Buch heißt Empört euch nicht!

00:07:08: Herzlich Willkommen Omit Nuri

00:07:10: Pur.

00:07:10: Danke dass ich dabei sein

00:07:11: darf.

00:07:12: Herr Nuri pur.

00:07:13: Empört Euch Nicht ist eine vergleichsweise mutige Ansage angesichts einer Welt die zur Hälfte empört ist und angesichts eines Landes Deutschland das fast zur Gänze Empört ist.

00:07:26: Wann und worüber waren Sie zuletzt empört?

00:07:30: Ich bin dauerempört, dass Eintracht Frankfurt immer noch nicht deutscher Meister geworden ist – obwohl uns das eigentlich jedes Jahr zusteht auch wenn wir einfach nicht gut genug spielen!

00:07:39: Aber es gibt natürlich viele Momente wo man sich aufrechnet und es gibt so viel Gründe sich aufzuregen.

00:07:43: aber die Empörung ist ja mittlerweile rituell und industriell geworden sodass am Ende alles gleich wichtig ist.

00:07:51: Am Anfang dieser Woche habe ich mich zum Beispiel echt total gewundert.

00:07:55: Ich höre gar nicht auf mir die Augen zu reiten darüber, dass zwei Tage lang das angeblich wichtigste Thema der Republik der Strandkopf von Philipp Amthol ist.

00:08:03: Leute was soll das?

00:08:04: Lass uns doch einfach mal konzentrieren auf das Wesentliche und nicht die ganze Zeit eine Empörungsspirale von einer anderen ablösen lassen.

00:08:12: Wobei

00:08:12: da ist die Frage was eigentlich schlimmer ist diese Empörungswelle die der Umstand ausgelöst hat dass Amtor diesen Strandkorb wohl auf eigene Kosten ins Bundeskanzleramt herschaffen lassen für eine ZDF-Doku, in der er dann irgendwie mit diesem Strandkorbbunterwegs ist oder seine Reaktion drauf sofort einzuknicken und dann wird der Strandkorbst abtransportiert.

00:08:36: Das

00:08:37: kann man so oder so sehen.

00:08:38: aber ich kann noch ein Drittes hinzufügen.

00:08:41: am Montag, am Anfang dieser Woche äußert sich das Staatsminister beim Bundeskünstler der Bundesrepublik Deutschland Drei Mal zu diesem Thema.

00:08:51: Morgens, in dem er sagt aber ich habe das noch selber bezahlt.

00:08:54: Nachmittag, in der man sagt okay ich räume das ab.

00:08:57: Abends, indem er sagt Huch!

00:08:58: Ich hab das doch nur gemacht weil es hier um mein Heimatgefühl geht.

00:09:01: Ich glaube nicht dass er in der Zwischenzeit sich um die wirklich großen Probleme des Landes gekümmert hat.

00:09:06: Egal ob gewollt oder nicht, er hätte gar nicht gekonnt.

00:09:08: Es gibt auch ein anderes Beispiel wo das Empörungspotenzial sehr groß war.

00:09:15: Das Beispiel spielt auch in Berlin.

00:09:17: Nach der Berlin-Wahl taucht ein libanesischer oder libanäsischstämmiger Klanschef bei der Wahlpartie der Linken auf große Empörung zu.

00:09:28: Rechtfragezeichen?

00:09:29: Das wird sich weisen, das weiß ich noch nicht.

00:09:32: Es gibt erstens eine Abwalt der CDU sehr deutlich.

00:09:35: Zweitens gibt es einen sehr großen Vertrauensvorschuss für die Linke.

00:09:41: Die haben auch einen besten Wahlkampf gemacht, muss man sagen.

00:09:43: Ich gefällt mir nicht leicht das Grüner aber ist so.

00:09:46: Das dritte aber ist Wenn eine Partei die regieren will noch Jetzt viele Indizien licht dass sie mit organisierter Kriminalität Mit Islamismus mit Terrorismus was zu tun hat ich meine das Noch gravierende bild war ja ein bundesagsabgeordnete arm in Arm mit dem chef einer Organisation die die dachorganisation in deutschland einer Terrorgruppe, also die Volksbefreund von Palästinas ist in Europa seit zwei Jahrzehnten offiziell eine Terrororganisation.

00:10:18: All diese Dinge gehören aufgeklärt.

00:10:19: und stand jetzt es so Die Linke wird eher von Enthüllungen überrollt als dass sie aufklärt Und das ist nicht gut.

00:10:26: Das ist auch Nicht ausreichend und das muss

00:10:28: man benennen.

00:10:29: Ein letztes Empörungs Beispiel von mir Herr Nürburgr ist schon ein paar Monate alt Friedrich Merz der Bundeskanzler.

00:10:36: ich glaube Es war einen Auftritt vor dem DGB Kongress.

00:10:40: Da wird er nicht besonders freundlich empfangen und die Rede wird auch nicht besonders feindlich begleitet.

00:10:46: Irgendwie sagt da mal, die Rente kann nur noch so eine Grundsicherung sein.

00:10:51: Dann gibt es Empörung im Saal und dann sagt da sinngemäß Leute das ist Demoskopie- und Mathematik riesige Empörungen.

00:11:00: Und also ich finde der Bundeskanzler hat in den letzten anderthalb Jahren viele Fehler gemacht Aber da hat er doch einfach recht.

00:11:09: Das ist ein gutes Beispiel, das ist ein wundervolles Beispiel wo der Unterschied sein muss zwischen Empörung auf der einen Seite und berechtigt der Wut über Ungerechtigkeit auf die anderen Seite.

00:11:20: Die Empörung ist ich reg mich auf und ich reg nicht ab und behalte diesen Erregungszustand bis zur nächsten Empörung.

00:11:29: Es gibt so viele Gründe sich aufzuregen, es gibt so viel Gründe für Wut wegen soviel Ungerechtigkeit.

00:11:34: Soviel Dysfunktionalität auf der Welt die Angriffe auf unsere Demokratie put ins Verbrechen in der Ukraine.

00:11:40: ich könnte stundenlang weiter reden aber die entscheidende Frage ist doch ums jetzt mal reinländig zu sagen meine Frau ist halb Rheinländerin.

00:11:47: regst du dich auf?

00:11:48: Regst du mich auch wieder ab und das ist notwendig damit wir am Ende auch ins tun kommen Wenn wir immer nur im Erregungszustand sind, im Empörungszustands sind.

00:11:58: Wann sollen man denn eigentlich die Probleme behandeln?

00:12:00: Und diesen schmalen Grad oder der eigentlich vielleicht gar nicht so schmal ist zwischen Dauerempehrung und Ignoranz auch anzugehen?

00:12:08: da hilft es die Frage zu stellen Ist das wichtig was da gerade auf dem Tisch ist?

00:12:13: und die Frage der Sicherung der Rente ist unglaublich wichtig und die frage vom Strandkorb von Philipp Amthor nicht.

00:12:18: und das zweite is Leben und leben lassen im besten klassischen Sinne.

00:12:22: Aber es

00:12:23: gibt doch, Herr Noripur so etwas wie eine rhetorische Radikalisierung die in den letzten Jahren stattgefunden hat?

00:12:29: Warum auch immer politische Verwerfungen das Aufkommen der AfD, die Blasenbildung durchs Internet indem Leute sich nicht nur gegenseitig bestätigen sondern sich auch gegenseITich in ihrem Empörungswahn noch steigern?

00:12:46: Kann man da überhaupt noch irgendwas machen oder muss man das inzwischen als keine Ahnung, Gott gegeben akzeptieren?

00:12:52: Nein

00:12:52: es ist nicht Gott gegeben.

00:12:53: Wenn es unanständig ist doch nicht Gott gegeben.

00:12:55: wir lernen nur alle in unsere Kindheit die Grundregeln des Anstandes dass man einander nicht anschreien darf, dass man nicht aufeinander losgehen darf.

00:13:03: Das ist gar nicht so kompliziert.

00:13:05: ich

00:13:06: glaube dass die zentrale Antwort darauf ist dass wir streiten und zwar dass wir einfach gesittet miteinander streiten.

00:13:15: Streit ist Kern dessen, was Demokratie ausmacht.

00:13:18: Wenn wir nicht streiten, dann gibt es ja eigentlich keine Meinungen, die miteinander ausgetauscht werden damit das zu einer guten Lösung kommt.

00:13:27: Wir sind aber jetzt in der Situation, in der wir entweder nur noch mit Leuten reden, die der gleiche Meinung sind oder nennen da Anschrei Das ist kein Naturgesetz, das ist nicht goldgegeben.

00:13:39: Dann lassen Sie uns doch sehr konkret darüber reden was sie in ihrem beruflichen Alltag als Bundestagsvizepräsident erleben.

00:13:47: also da gibt es eine sehr stark geworden AfD die wenn man sich die Ordnungsrufe anguckt von einer bestimmten Rüpellosigkeit gekennzeichnet ist.

00:13:58: Und dann gibt es auf der anderen Seite auch Leute, die sagen als ich grüßt ihn nicht.

00:14:03: Wenn da einer im Aufzug ist gehe ich raus.

00:14:06: Händeschütteln geht gar nicht!

00:14:08: Wie erleben Sie das?

00:14:10: Ich erlebe das so wie sie sagen dass es sehr viele Arten gibt damit umzugehen und die Kollegen entscheiden hoch individuell und hoch emotional darüber und ich kann das nachvollziehen.

00:14:19: Ich kann ihnen sagen wie ich das mache.

00:14:21: Als Vizepräsident ist es ein zentrales Gebot meiner Amtsausübung dass ich alle gleich behandle, das geht überhaupt nicht anders.

00:14:31: Würde ich es anders machen würde ich das Amt beschädigen und dementsprechend gebe ich mir größte Mühe, dass im Plenum alle gleichbehandelt werden.

00:14:40: wir hatten in der letzten Plenarwoche eine Debatte wo ein AfD-Lone einen Grünen richtig mit höchsten Dezibelzahlen einander angeschrien haben Und ich kann ihn versichern.

00:14:51: Ich habe eine sehr feste Meinung, wer von den beiden Recht hatte!

00:14:53: Aber das ist nicht der Job.

00:14:55: Der Job ist einfach mal die Würde und Ordnung des Hauses zu verteidigen und Geschrei gehört nicht dazu.

00:14:59: Das heißt ihr habt zwei Ordnungsrufe verteilt?

00:15:01: Nein, ich habe beide zur Raison gebracht in dem ich... Also es gibt auch..der Ordnunsruf ist ja ein härteres Mittel.

00:15:08: Es ist ja wie auf einem Fußballplatz der Schiedsrichter Gibt mich immer sofort gelb.

00:15:12: Sondern der sagt auch mal hier pass auf wenn du das nochmal machst gibst gelb.

00:15:15: So was machen wir?

00:15:15: und ich habe beide namentlich genannt Beide aufgerufen sich zu beruhigen und es hat auch am Ende funktioniert, auch wenn das ein bisschen gedauert hat.

00:15:22: Aber Sie haben recht!

00:15:23: Das wird zunehmend lauter, zunehnend gerät der Anstand der Geboten ist für die Ordnung und Würde des Hohen Hauses unter Druck und dem Sprechen ist es umso notwendiger dass man das verteidigt.

00:15:36: ich kann gar nicht anders als mit den AfD dann sprechen.

00:15:39: Ich

00:15:39: kann gar nichts anderes als denen die Hand schütteln weil ich muss mit ihnen in Interaktion sein damit wir die Regularien miteinander versuchen einzuhalten.

00:15:48: Und ich muss aber auch sagen, ich finde das was die machen menschenverachtend.

00:15:53: Aber wenn nicht Menschen verachten seinen Will selbst muss sich doch anerkennen dass sie Menschen sind.

00:15:58: Und dementsprechend versuche ich mit den menschlichen umzugehen.

00:16:28: U-Bahn nimmt ihm am Sitze und der rempelt mich aus Versehen an, entschuldigt sich dann lächerlich ein.

00:16:33: Und dann ist gut!

00:16:34: Dann freu ich ihn auch nicht nach seiner Familie.

00:16:36: Es geht nicht darum dass ich jetzt irgendwie mit den Smalltalker... es geht nicht daran das ich normalisiere, dass sie da sind.

00:16:42: Ich finde auch nicht dass es normal sein sollte aber Das Gebot ist, die Menschenwürde zu verteidigen.

00:16:48: Ich kann die Menschenwirte nicht verteidigt werden, wenn ich mit denen umgehe als wenn sie Monster... deren Politik ist monströs!

00:16:55: Deren Ziele sind monströs aber jeder einzelne von den ist ein Mensch.

00:16:58: auch

00:16:58: Schweinepriester haben eine Menschenwürd.

00:17:01: Herr Noripur, haben Sie auch die Erfahrung gemacht dass es bei dieser AfD Politikerinnen gibt?

00:17:08: die ihnen sympathischer sind als andere?

00:17:11: Es

00:17:11: ist natürlich so, dass wenn die mit hundert Ebers Leuten da sitzen das es Leute gibt wo du per Dezibel schon weißt.

00:17:19: Du wirst niemals was mit denen zu tun haben und andere die zur Wahl noch angenehm sind.

00:17:24: Wir nehmen hier sitzen Schriftführer von allen Fraktionen und ich arbeite mit denen weil wir zusammen im Vorsitz also der Vorsitz ist ja Präsidentin und die beiden Schriftführer, also wir vertreten, Vizepräsidenten vertreten dort die Präsidentin.

00:17:39: Wir müssen da miteinander reden und arbeiten.

00:17:41: Und es gibt Leute, die da sitzen, die helfen, dass wir das Plenum ruhig halten.

00:17:47: Das ist keine Frage!

00:17:49: Es ist deshalb nicht die Frage des Individuums, sondern was die für politische Ziele verfolgen.

00:17:56: habe ich und will ich und werde ich bekämpft.

00:17:58: In diesem Bundestagspräsidium ist kein Vertreter der AfD, wenn ich das richtig sehe.

00:18:03: Die Präsidentin des Bundestages ist eine Politikerin der CDU Julia Klöckner von der ihr Parteifreund Robert Habeck gesagt hat sie sei unfaig und eine Fehlbesetzung.

00:18:18: Wie sehen Sie es?

00:18:20: Ich arbeite mit dem Präsidenten wundervoll zusammen bin sehr dankbar Teil eines Gremiums zu sein was wirklich gut arbeitet.

00:18:27: Wir wissen, dass Teambildung bei uns notwendig ist und versuchen es vorzuleben.

00:18:32: Wir sind ja fünf Leute von fünf Parteien, also CDU, CSU sind zwei Leute.

00:18:38: Wir fünf versuchen dem Parlament auch vorzunehmen, dass man miteinander gut arbeiten kann und die Hand reicht.

00:18:45: Ich habe da keine Beschwerden im Gegenteil aber das andere was wir angesprochen haben, die AfD hat kein Mitglied des Präsidiums.

00:18:54: Ihnen steht ein Anspruch zu auf einen Vizepräsidentenvorschlag.

00:19:02: Und die schlagen Leute vor und am Ende ist jeder Abgeordnete nach freiem Gewissen aufgefordert in einer geheimen Wahl, in der Wahlkabine abzustimmen – und es gab bisher keine

00:19:16: Mehrheit.".

00:19:17: Das wird aber von manchen als eine ganz besonders perfide Form der Ausgrenzung Angesehen mit der Folge möglicherweise, dass die Zahlen der AfD nicht nur bei den Umfragen sondern auch bei den Wahlen kontinuierlich nach oben gehen.

00:19:32: Dass die AfD aus jeder Geschichte eine Opfergeschichte macht ist jetzt keine Neuigkeit.

00:19:37: das ist ja Teil von Populismus an und für sich.

00:19:40: egal was passiert wenn du aus versehnten Glas Wasser umschlöste dann hast du meine Menschenrechte verletzt.

00:19:47: unter unseren Zeug.

00:19:48: Das haben wir die ganze Zeit.

00:19:49: Aber ich kann nur wiederholen, es ist richtig.

00:19:51: Die haben einen Einspruch auf den Vorschlag und deshalb schlagen sie vor.

00:19:56: Ob die einzelne Person, die Sie vorschlagen auch dann die Mehrheit in Geheimerwahl überzeugt, ist Sache jedes Einzelnen abgeordnet.

00:20:02: Sie selbst sind jetzt glaube ich seit zwanzig Jahren im Bundestag, die AfD noch nicht ganz so lange aber auch schon viele Jahre im Bundestage, haben Sie auch die Erfahrung gemacht, die zumindest andere offensichtlich gemacht haben dass das Klima härter rauer Unversöhnlicher geworden ist in diesem Plenum.

00:20:22: Ja, schon aber wir haben trotzdem immer noch Sternstunden wo vor allem die demokratischen Parteien wirklich auch zusammenstehen.

00:20:29: Wir haben immer wieder beispielsweise die unglaublich großartigen und bereichernden Debatten um hoch ethische Fragen wo es keinen Fraktionszwang gibt Wo man eigentlich auch nicht weiß für die Abstimmung ausgehen.

00:20:43: das sind ehrlich gesagt die spannendsten weil es tatsächlich auch darum geht dass man mit dem Wort auch nicht nur das Publikum überzeugt, sondern auch die Abgeordnete.

00:20:50: Ja

00:20:50: was war da für Sie das spannendste Thema?

00:20:52: Dass sie gerade angesprochen

00:20:54: haben?

00:20:54: Sterbehilfe und das ist jetzt ein bisschen länger her also dass wir das geregelt haben.

00:20:59: ich gebe zu bei diesen Fragen habe ich selten auf der Mehrheitsseite gestanden aber das ist unerheblich die die zentrale Frage ist.

00:21:06: Wir sind ein Arbeitsparlament.

00:21:08: Die Auseinandersetzung um Argumente findet in den Ausschüssen statt Und wenn das abgeschlossen ist kommt man ins Plenum um nochmal die Argumente auszutauschen damit das Publikum versteht, warum es sich gehandelt hat und wie die Diskussionslinien gelaufen sind.

00:21:20: Bei diesen Debatten geht's wirklich darum, du gehst da nach vorne, stellst dir ein Redepult und dann versucht die Leute zu überzeugen dass sie dir folgen!

00:21:27: Das hat eine andere Tiefe aber auch jenseits davon wenn es um deutsche Geschichte geht und zwar nicht nur Nationalsozialismus sondern auch um die zweite Diktatur des zwanzigsten Jahrhunderts in der DDR.

00:21:40: Da gibt es wirklich Glanzstunden, wo CDU, CSU, SPD und meine Partei da wirklich schaffen, Dessenzen und Unterschiede aufzuzeigen.

00:21:51: Und trotzdem zu zeigen dass wir bei den grundsätzlichen Fragen beieinander sind.

00:21:55: Die Grundsätzliche Frage ist der Schutz der Freiheit

00:21:58: Wenn Sie die deutsche Geschichte ansprechen.

00:22:00: damit kriegen wir eine halbwegs elegante Überleitung hin zur ihrer ganz persönlichen Geschichte weil sie beginnt eigentlich mit einer iranischen Geschichte.

00:22:09: Sie sind glaube ich im Jahr nineteenhundertfünfundsiebzig in Tehran, also im Iran, der iranischen Hauptstadt auf die Welt gekommen und haben die ersten dreizehn Jahre ihres Lebens auch im Iran verbracht.

00:22:22: Warum sind ihre Eltern?

00:22:24: Warum ist Ihre Familie danach, also Ende der achtziger Jahre nach Deutschland gegangen?

00:22:29: Weil meine Mutter ihren Job nicht mehr ausüben konnte, meine Schwester aus poliziengründen nicht hätte studieren dürfen Weil Jungs damals mit Vierzehn das Land nicht mehr verlassen durften, damit sie in Dich ja nicht der Wehrpflicht entziehen

00:22:44: können.

00:22:44: Mit vierzehn?

00:22:46: Ahja!

00:22:47: Mit vier Zehn wurde man noch nicht eingezogen.

00:22:48: aber mit vierzehnt gab es schon Leute die freiwillig sich melden konnten und da die gehören wahrscheinlich schulen Funktionen hat, gab's auch nichts zu wenige davon.

00:22:58: Die größte Grausamkeit dass mein Kind ein Schlüssel um den Haus gehängt hat.

00:23:01: Das sah weiter als Schlüssel zum Tor oder zum Paradies und dann hat man sie über Minenfelder geschickt damit sie quasi eine Schneise schlagen für die Infanterie.

00:23:11: Das

00:23:11: war dieser iranisch-irakische Krieg, in dem Saddam Hussein noch ne ganz andere Rolle gespielt hat?

00:23:17: Genau, genau!

00:23:18: Achtzig bis achten achtzig.

00:23:19: Warum

00:23:20: durfte ihre Mutter ihren Beruf nicht mehr ausüben?

00:23:22: Meine Mutter hat zwei Abschlüsse.

00:23:26: Sie ist Biologin und sie ist Ingenieurin für Flugsicherung.

00:23:32: Und im zweiten Beruf da hat sie auch meinen Vater kennengelernt.

00:23:36: Die Teamleiterin war die Chefin von achtzig Männern.

00:23:39: Sie war so was wie eine Pionierin der Frauenerwerbsarbeit, den technischen Berufen hat dafür Medaillen bekommen und war auch auf Titelseiten von Zeitschriften.

00:23:49: Und sie kam eines Tages nach Hause sagt ich kann diesen Job nicht mehr machen weil der Kopftuch zwang.

00:23:56: Ich habe keine Autorität mehr.

00:23:58: Ich hab plötzlich jetzt vervorschriften.

00:23:59: ich muss mich Dingen unterwerfen Die für alle anderen, die unter mir arbeiten nicht gelten.

00:24:05: Ich kann so nicht erarbeiten.

00:24:06: und als dieses Umfeld wurde immer schwieriger.

00:24:09: Klammer?

00:24:10: Als die Kopftuchterbatte in Deutschland begann mit der Frage ob Lehrerin Kopftücher tragen dürfen habe ich meine Mutter gefragt wie sie das findet.

00:24:17: Ich ging fest davon aus dass sie sagt ja selbstverständlich keine Kopftucher.

00:24:21: Und sie sagte du verstehst es nicht, das Kopftucht ist nichts Problem sondern der Zwang.

00:24:24: Sollen die Frauen selber entscheiden und sollen vor allem die Männerdien sagen ob sie was anziehen oder nicht anziehen dürfen.

00:24:46: Wir gehen jetzt noch mal zurück in die achtziger Jahre.

00:24:49: Dieses Mueller-Regime damals hat auch gefoltert und gemordet, war Ihre Familie davon auch betroffen?

00:24:58: Ich kenne keine Familie, die nicht davon betroffen ist.

00:25:00: Ich kenn keine Familie wo nicht jemand umgebracht wurde, jemand gefolte oder jemand verhaftet wurde oder jemand an die Front gezogen wurde und dort im Krieg gefallen ist.

00:25:10: Und ja wir hatten das alles!

00:25:12: Also die Spannweite der Leute in meiner Familie jetzt über die letzten fünf Jahrzehnte, es ist zwischen siebzehn und siebenundneunzig.

00:25:20: Und gleichzeitig kommen noch Leute, die an der Front befallen sind.

00:25:23: Aber nochmal!

00:25:23: Es ist nicht meine Geschichte, das ist die Geschichte eines ganzen Landes von Generationen.

00:25:29: Und ehrlich gesagt ist es kein iranisches Phänomen, ich wüsste jetzt etliche andere Länder wo sie kaum jemanden finden, der nicht tiefe Narben hat.

00:25:39: Nehmen wir mal Afghanistan, nehmen wir einmal Sudan.

00:25:43: Die Welt da draußen ist sehr unfriedlich und die Europäer haben das Jahrzehnte lang ausgeblendet.

00:25:49: Und jetzt schlägt es hier rein so was wie ein Einbruch der Realität.

00:25:53: Wir hatten in der letzten Woche im Heimspiel zu Gast Mariam Lau tolle Journalisten-Kollegin der Zeit, die wie sie ja auch iranische Wurzeln hat Und als es dann darum ging,

00:26:06: wie sie

00:26:06: diesen Iran des Jahres und sechsundzwanzig sieht, kam irgendwie so eine, ja, ich habe sie jedenfalls so wahrgenommen.

00:26:16: Irgendeine Form großer innerer Bedrückung.

00:26:18: ist das bei ihnen ähnlich?

00:26:20: Das

00:26:21: erste direkte Gefühl wenn das Wort Iran fällt ist – und nochmal, dass ist nicht bei mir so, das ist bei allen so die ich kenne, die was damit zu tun haben, ist Schmerz!

00:26:30: Wir reden über ein Land mit achtzig, neunzig Millionen Menschen die seit Jahrzehnten einfach nur Unfreiheit erleben.

00:26:37: Ein Land mit einer Gesellschaft die eigentlich so überreif ist für eine Demokratie, für Freiheit wo jeder Protest in erster Linie auch getragen wird von unfassbar mutigen Frauen.

00:26:49: Es gab vor ein paar Wochen im Iran einen Halbmarathon in Tehran.

00:26:54: Ich habe nur Frauen gesehen auf den Bildern und keine von denen hatten Kopftuch an.

00:26:58: Die Angst ist weg, die Verzweiflung der Leute lässt sie auch weggeschmelzen und diese mutigen Frauen tragen das.

00:27:04: Das ist alles so unfassbar bewegend!

00:27:07: Und doch ist es so dass nach jeder Welle es noch bei Tote gibt.

00:27:11: im Januar diesen Jahres achtzehnt oder neunzehnte sind über zwei Tage vierzig tausende Leute auf der Straße einfach abgeschlachtet worden.

00:27:19: Und dann sitzt man da und fragt sich, war es das wert?

00:27:21: Und die Antwort ist wahrscheinlich am Ende des Tages.

00:27:23: Ja weil die Freiheit immer am Ende der Tages gewinnt.

00:27:26: aber Blutzoll bis dahin ist halt unermesslich.

00:27:30: und deshalb ja es ist einfach nur schmerzhaft

00:27:32: Was Sie gerade gesagt haben also Halbmarathon Die meisten Frauen oder ganz viele Frauen ohne Kopftuch bedeutet das in der Konsequenz Auch was das Regime angeht, dass sich da die Prioritäten verschoben haben.

00:27:45: Also die Mullahs, diese Religionspolizei haben nicht mehr die Macht, die sie früher hatten und stattdessen ist der Iran inzwischen – wie soll man es formulieren?

00:27:55: Eine islamistische Militärdiktatur, die von den Revolutionsgarten bestimmt wird?

00:28:01: Es ist alles so, wie Sie gesagt haben.

00:28:02: Erstens ist es nachdem die Amerikaner an Regimentier beigeführt haben Jetzt nicht mehr ein Mula-Regime, sondern eine Militärdiktatur.

00:28:12: Mit Herz aus der islamistische Ideologie.

00:28:15: Zweitens die waren ja jetzt monatelang im Abwehr und Überlebenskampf.

00:28:20: Die haben das Gefühl dass sie gegen die Amerikaner gewonnen haben.

00:28:23: Das ist im Übrigen nicht nur die Warnung um Iran oder in der gesamten Region Auch wenn der Krieg nicht zu Ende ist auch wenn es immer wieder Scharmützel gibt.

00:28:31: das Regime hat gewonnen durch das Überleben alleine.

00:28:34: So in dieser Zeit auf diese große Verzweiflung, wie ich es gerade beschrieben habe.

00:28:39: Stoßend haben natürlich die Leute im privaten und im persönlichen Umfeld sich viele, viele Freien genommen weil sie die Angst verloren haben, weil sie verzweifelt sind und weil alle andere Sorgen haben als die Frage ob das Kopftuch oben sitzt oder hinten runtergefallen ist.

00:28:54: Ich glaube aber dass wenn das Regime dann sich komplett gefestigt hat was gerade aussieht, dass es in die Richtung geht Sinne einer brutalen Moralpolizei und Sittenpolizeie wiederkommen kann.

00:29:10: Es gibt jetzt wieder erste harte Ansagen von Revolutionskartisten, vom Parlamentariern das jetzt diese Unsüchtigkeiten auf der Straße aufhören müssen.

00:29:21: Und man weiß nicht ob das Regime nicht einfach noch mal brutalstmöglich zu schlicht.

00:29:25: Noch einmal ein Regime was in zwei Tagen vierzigtausend Leute umricht ich zitiere jetzt Friedrich Merz und das mache ich nicht oft hat jede Legitimität verloren Und das wissen die natürlich.

00:29:37: Dazu kommt ja noch, dass die Lebenssituation der Menschen im Iran nach allem was man hört katastrophal ist eine weggaloppierende Inflation.

00:29:46: Die nötigsten Dinge des alltäglichen Lebens sind nicht mehr so einfach zu beschaffen.

00:29:51: Die Menschen haben überhaupt keine ökonomische Perspektive vielleicht auch keine politische.

00:29:56: Ist es nun ein Zustand größter Hoffnungslosigkeit oder gibt's Gibt es da immer noch in diesem Land und bei diesen Menschen etwas, wo man sagen könnte irgendwann ist dieser ganze Spuk auch vorbei?

00:30:10: Irgendwann ist der Spuk sicher vorbei.

00:30:12: Noch mal die Frage ist wie viele Leute werden bis dahin unter die Rede geraten.

00:30:16: Die ökonomische Situation ist einfach so schlecht wie wahrscheinlich noch nie.

00:30:23: Die gesamte Mittelschicht ist am verählenden.

00:30:26: Es gab vor fünf Jahren sehr viel Kartonschlefer, das ist der persisches Langbegriff dafür.

00:30:35: Das sind Leute die auf der Straße einfach Obdachlose, die halt auf zusammengeklappten Kartons schlafen irgendwo auf der Strasse in der U-Bahn im Park und jetzt ist die Zahl mehr als sichtbar.

00:30:48: Die sind überall und das sind vor allem ganz viele Kinder darunter.

00:30:53: Gefährdet das Regime am meisten.

00:30:55: Und so gesehen müsste man ihr Buch eigentlich oder den Titel ihres Buches umbenennen, nicht mehr empört euch nicht sondern empört Euch!

00:31:02: Nein, das sehe ich nicht so, sondern empört Euch nicht und versucht den Leuten zu helfen.

00:31:08: Das hilft ja nichts.

00:31:08: wenn wir da sitzen und sagen es ist aber schrecklich sind jetzt auch die Leute tot, sondern die Frage ist was machen wir damit?

00:31:14: Ich habe jetzt nicht das Gefühl dass sich die letzten Monate die Europäer irgendwie damit geklänzt haben, dass sie sich um das Thema gekümmert haben, das Einzige waren so lustige In Anführungsstrichen lustige Überschriften, wie die vom Außenminister Waderfohl besteht auf der Öffnung der Straße von Homoos.

00:31:30: Was soll das eigentlich?

00:31:31: Wo ist das Tun?

00:31:33: Das Tun fehlt halt und das Tun ist nicht möglich.

00:31:37: wenn ich nur in der Empörung bin Sie

00:31:38: sind ja nun Herr Nouripour seit vielen Jahren auch ein wirklich erklärter und kompetenter Außenpolitiker von Bündnis Neunzig.

00:31:46: Die Grünen haben natürlich auch die Kontakte zu den anderen Parteien auch in die Regierung rein.

00:31:53: Welche Gründe werden Ihnen da genannt für diese doch sehr auffällige Deute Zurückhaltung?

00:32:00: Ich kriege keine und ehrlich gesagt ist es offensichtlich, das ist einfach Mutlosigkeit!

00:32:05: Wir haben als Europäer so viel Boden verloren.

00:32:09: wir haben als europär so unglaublich viel Einfluss verloren und Machtprojektion verloren.

00:32:18: Und es geht jetzt hart auf unsere Souveränität, wir sind abhängig im Technologischen, wir sehen abhängigen finanziellen, wir seien abhängigt im militärischen, abhängige, abhängige Abhängige.

00:32:27: und so kommen wir in der Situation dass wir Spielbälle werden der Großmächte und das sind China und USA.

00:32:36: Die Chinesen verknappen künstlich die seltenen Erden.

00:32:39: Die Amerikaner verhandeln dort und wenn ich die Bundesregierung frage, was heißt das für uns?

00:32:42: Heißt es Trump Verhandel doch!

00:32:44: Ich weiß niemand, ob Trump für uns verhandelt ist oder ob das was er erzielen könnte irgendwie für uns gut ist.

00:32:50: aber wir sind nicht mit am Tisch Und da fehlt einfach Kreativität Mut und ein gerade Rücken wo man sagt Wir überlegen wie wir zurückkommen an den Tisch.

00:33:00: Das ist bisher nicht der Fall und das ist extrem schlecht für uns alle.

00:33:05: Ich habe in meinem Buch zwei Kapitel zu diesem Thema, wie wir international eigentlich dastehen versucht zu erfassen.

00:33:11: um es jetzt mal in einem Beispiel zu sagen.

00:33:15: Irgendwelche AfDler finden irgendwelche Fantasie-Zahlen wie viel Geld Deutschland ausgibt für Radwege im Peru.

00:33:22: Die Zahlen sind alle falsch.

00:33:23: richtig ist dass Deutschland deutlich weniger aber Geld gegeben hat für Radwege im Peru Und darüber entsteht eine größte Empörungswelle für über Jahre, die eigentlich die gesamte Frage ob Deutschland eine Entwicklungszusammenarbeit machen soll und irgendwo helfen soll unter die Räder kommen lässt.

00:33:42: Man kann darüber diskutieren, ob die Gelder gescheit ausgegeben werden – weil es in Steuergeldern muss man sehr kritisch begleiten wie sie ausgegeben wird.

00:33:51: Und man kann darüber streiten, ob Deutschland da draußen helfen soll oder nicht.

00:33:56: Aber niemand steht auf und sagt, im Übrigen ist Peru ein wichtiger Akteurin in Südamerika.

00:34:02: Die Frage der Handelsbeziehung für eine Exportnation wie die Bundesrepublik sind zentral und wenn wir Einfluss haben wollen damit wir in Peru gehört werden soll mir vielleicht nochmal was tun.

00:34:12: Niemand thematisiert einfach mal die normalen Interessenfragen, die einen schreien Interesse, die anderen schreieren Werte in der Außenpolitik und am Ende des Tages gibt es nichts dazwischen.

00:34:22: Die Wege im Peru sind wichtig, damit die Leute Fahrrad fahren können.

00:34:27: Damit wir Freundschaft schließen und damit wir Einfluss nehmen können!

00:34:30: Ich weiß nicht was daran so kompliziert ist.

00:34:32: Stattdessen sitzen mir da und sagen oh Gott unser Einfluß verschwindet.

00:34:35: Wenn ich nochmal auf Ihre Biografie kommen darf also noch mal die ersten dreizehn Jahre in Iran gelebt.

00:34:42: dann der Wechsel nach Deutschland genauer gesagt nach Frankfurt.

00:34:47: Dann haben sie Abitur gemacht in Frankfurt, haben glaube ich in Mainz studiert.

00:34:51: Wobei dann hätte sich auch die Frage stellen können ob... Eintracht Frankfurt oder lieber Mainz Null Fünf.

00:34:56: Aber

00:34:58: was soll das sein?

00:35:00: Aber sagen Sie mal, diese Eintrecht-Frankfurt-Nummer ist ja schon angenehm.

00:35:05: Sie haben ja gesagt eigentlich müssten die längst Deutscher Meister sein und es hat viel Empörungspotenzial.

00:35:12: Mal davon abgesehen dass sie in den nächsten zwanzig dreißig oder vierzig Jahren nicht Deutschermeister werden.

00:35:17: Wette

00:35:17: gilt!

00:35:18: Okay,

00:35:18: gut.

00:35:19: Worüber?

00:35:19: Ob ihr in vierzig Jahren noch Wetten einlösen können weiß ich nicht.

00:35:22: Na ja also in meinem Fall!

00:35:27: Dann lassen wir das mal mit der Wette weg.

00:35:29: aber sind Sie ein Fußballfan?

00:35:33: Ich habe wirklich Freunde, die wenn der VfB Stuttgart verliert ist das Wochenende versaut.

00:35:41: Sehen Sie auch so

00:35:42: einer?

00:35:42: Natürlich ist das Wochenende versaut.

00:35:43: Wenn die Eintracht verloren hat, ist es das Schlimmste auf der Welt und ich krieg mich nicht ein.

00:35:48: Und ich kann in stundenlangen Beispiele sagen wie bei Niederlagen wobei wir haben noch nie verloren Wir haben immer gewonnen.

00:35:53: Das stimmt ja nicht dass wir irgendwie verlieren würden.

00:35:55: und wenn dann jetzt das Schiedsrichter?

00:35:56: aber Ich habe auch schon mal weinend auf dem Rasen gelegen und hab damals eine Brille getragen danach meine Brille irgendwie eine halbe Stunde nicht gefunden weil ich die irgendwo hingeworfen habe.

00:36:06: Wenn ich noch ein kaltes Beispiel sagen darf, ich weiß noch welches Spiel wann.

00:36:09: Das verrate ich jetzt nicht weil das ging nämlich übel aus.

00:36:12: Ich habe das alleine zu Hause geguckt.

00:36:14: auf dem Handy bin hin und her gelaufen glaube ich.

00:36:17: ich erinnere mich nicht an viel weil es so intensiv war Und viele Stunden nach der Niederlage habe ich festgestellt dass ich eine große Blutkruste auf der Handoberfläche habe und ich war verwirrt und wusste nicht warum und später entdeckte ich noch erhebliche Hautfetzen an der Muskatreibe die in der Küche hing.

00:36:34: Ich hab's nicht mal mitbekommen.

00:36:36: Das ist eine religiöse Angelegenheit und es gibt einen Barden der Eintracht, wir haben ja hundert Erbes-Lieder als Eintraffans.

00:36:43: Casa Nova, Casa ich grüße dich!

00:36:45: Casa sagt man in seinem wichtigsten Lied, ich gehe nicht ins Stadion wegen der Atmosphäre sondern weil ich diese Stadt verheere.

00:36:52: oder wir lieben unsere Stadt so sehr?

00:36:56: Und als einer der mit einer Lichtgeschwindigkeit in dieser Stadt ne neue Heimat finden durfte mehr Demut und Dankbarkeit habe ich nicht.

00:37:08: Okay, haben Sie gestern, wir zeichnet Freitag auf gegen Serbien also nicht die Bayern sondern die Deutsche Fußball Nationalmannschaft zwei zu null gewonnen?

00:37:16: Haben Sie Spiel eigentlich gesehen?

00:37:17: Nein!

00:37:17: Ich hatte eine Buchvorstellung mit Michael Friedmann zur gleichen Zeit aber ich gebe es so... ich hab auch mittendrin kurz mal auf mein Handy geguckt wie's steht und hab mich dann gefreut dass wir doch gewinnen.

00:37:30: Die Klop-Euphorie jetzt nicht plötzlich abricht.

00:37:32: Apropos Michel Friedmann, der war ja lange in der CDU, ist dann irgendwann rausgegangen?

00:37:37: Ist er inzwischen Mitglied bei den Grünen?

00:37:39: Nein, da ist nicht Mitglied beim Grünen und das steht auch überhaupt nicht an.

00:37:42: Er hat doch

00:37:43: zur Wahl der Grünen aufgerufen!

00:37:45: Da ist in Mecklenburg-Vorpommern auf die Bühne gegangen für die Grüne und hat gesagt, wählte die Grünen weil wenn ihr wollt dass die AfD hier nicht in eine Regierungssituation kommt braucht die Manuela Schwesig einen Koalitionspartner.

00:37:59: Das war ein rein funktionales Argument.

00:38:01: Wir sind extrem dafür dankbar, da hat wirklich einen Beitrag dazu geleistet dass die Grünen auch im Landtag gekommen sind und das jetzt eine Regierungsbildung da möglich ist.

00:38:09: aber der ist nicht ein grünes Mitglied er will es auch glaube ich nicht sein.

00:38:13: Und wenn er's nächstes Mal das Gefühl hat, dass seine Demokratie mit einer anderen Wahlempfehlung helfen kann gehe ich davon aus wie ich ihn kenne, dass er das macht.

00:38:19: Dafür sind Sie seit vielen Jahren nicht nur ein Mitglied der Grünen sondern auch ein Politiker der Grüne in verantwortlicher Position.

00:38:26: sie singt glaub ich Ende der neunziger Jahre in Hessen zu den Grünen gestoßen waren dann auch Landesvorsitzender, der grünen Jugend in Hessen und das alles zu einer Zeit, in der überall im in Hessen ein gewisser Joschka Fischer schwebte.

00:38:44: Der ja damals auch Außenminister der Bundesrepublik Deutschland war

00:38:48: Das stimmt.

00:38:49: Ich bin neunzig eingetreten, da war Joschka schon legendär und ich bin auch noch im Nordend eingetreteten in Frankfurt am Main.

00:38:56: das ist auch nur seine Stadtteilgruppe so dass ich eigentlich egal wo ich hinkam auf seine Anhängerschaft zu der ich im übrigen auch gehöre und zu seinen Spuren auf seine Spuren gestoßen.

00:39:10: und gerade seine Seine Klicken von der Sechzigern, eher Siebzigern sind ja auch Prägen gewesen für meine Partei bis heute.

00:39:21: Nicht nur Kornbände, Tom Königs und viele andere.

00:39:24: Rupert vom Plotnet und all diese Leute die wirklich Großes für das Land geleistet haben trotz aller Umbrüche in ihrem Biografien.

00:39:33: Und Joscha war wie sie sagen über allem schwebend.

00:39:37: ich habe Joscha Persönlich das erste Mal gesprochen, echt ein paar Jahre später.

00:39:42: Ich glaube, es war im Jahr twohundzwald oder so.

00:39:44: Bis dahin war ich der kleine Romit und er war der große Chef unter der großen Außenministerin unser Superstar.

00:39:50: Und ich habe unglaublich tolle Situationen mit ihm erlebt gerade auch nach Wahlkampf- oder Vorwahlkampfauftritten hinter der Bühne wenn er voller Endorphine da wieder runter kam und dann auf diese coolen Sprüche, auf der Bühne noch drein drauf gesetzt hat.

00:40:08: Also Joschka ist der Größte und vielleicht der größte Verdienst?

00:40:12: Und dafür wird meine Partei ewig dankbar sein müssen!

00:40:17: Der hat die Grünen versöhnt mit der Macht und er hat uns wirklich mit größter Härte eingeimpft dass ohne Macht man nicht die gesellschaftlichen Veränderungen Verbesserung hinbekommen kann die man ja die ganze Zeit anstrebt.

00:40:32: und das wenn man Macht meidet, man seine Hände vielleicht sauber hat aber dass man trotzdem die Welt nicht verbessert.

00:40:39: Und das ist riesig!

00:40:42: Das klingt so zumindest interpretier ich es so, dass Sie heute bei den grünen oder beim grüten Spitzenpersonal Heinen wie Joschka Fischer vermissen?

00:40:51: Nein weil jeder hat seinerzeit... Ich weiß nicht ob Joschaka Fischer heute ihn so reussieren würde Und ich meine, die Alterinnen sagen mir, es gibt ja keinen wie Herr Robert Wehner mehr und es gibt kein Genscher mehr.

00:41:04: Es gibt keinen Arternauer und keinen Willi Brandt.

00:41:06: Keiner dieser Leute würde heute länger überleben in der politischen Landschaft.

00:41:09: Warum nicht?

00:41:10: weil Herbert Wehner mit seinen Zwischenrufen keine fünf Meter weit kommen würde, ohne dass er komplett zerpflückt wird in den sozialen Medien.

00:41:18: Wir sind heute unter einem anderen Mikroskop als Politikerin-Politiker und wir haben eine Beschleunigung der Kommunikation und der Entscheidungsfindung – ich weiß nicht ob die das alles gekonnt hätten!

00:41:28: Die waren Ikonen dieser Republik, diese Leute und viel mehr….

00:41:33: Ich darf auf keinen Fall beispielsweise Elisabeth Selbert vergessen, ohne sie würde es die wichtigsten Passagen im Grundgesetz nicht geben zur Gleichstellung von Frauen und Gleichberechtigung von Frauen.

00:41:45: Und wenn dann hieß das damals?

00:41:46: Und auch viele anderen Gesetze nicht aber diese Leute hatten ihre Zeit.

00:41:51: heute brauchst andere Typen, andere Figuren und alle Parteien bemühen sich darum dass wir die richtigen nach vorne

00:41:57: stellen wobei wenn Sie das ansprechen ja einer als eine der Gründe immer genannt wird, warum die AfD so erfolgreich ist.

00:42:04: Weil es nicht nur diesen Vertrauensverlust gibt gegenüber den etablierten Parteien, sondern weil diese Parteien der Mitte jetzt nicht diese überragenden Figuren haben an denen sich die Menschen orientieren können.

00:42:18: Sehen Sie das ähnlich?

00:42:20: Ja, ein Robert Habeck war ja genau eine solche Figur und ist eigentlich also eine Figur.

00:42:25: Es gibt so viel Hoffnung, die auf ihn projiziert werden und der Strahls inspiriert.

00:42:32: Und gleichzeitig kam er ins Amt und ab da haben wirklich alle die Kettensäge angeschaltet, um eingeschaltet oder viel loszugehen.

00:42:40: Also es ist heute eine andere... eine Zeit und es geht nicht um Einzelfigur.

00:42:44: Wobei

00:42:44: habe ich auch ein paar eigene Fehler gemacht hat.

00:42:47: Ja natürlich, aber wer hat den keine gemacht?

00:42:48: Hat Willy Brandt keine Fehler gemacht?

00:42:52: Die haben alle Fehler gemacht!

00:42:53: Es gibt heute aber die Fehlertoleranz durch die Beschleunigung und das beschriebenene Mikroskop.

00:42:58: Aber sie haben anderes Stichwort genannt was ich absolut zentral finde und ich glaube da findet man einen großen Anteil der Fehler der Politik heutzutage gerade der demokratischen Mitte wie Sie sie genannt haben.

00:43:10: Sie sagten Vertrauensverlust.

00:43:12: Es ist richtig, es gibt viele Gründe für Vertrauensverlust.

00:43:15: Es gibt vieles wo die Leute das Gefühl haben die Politik liefert nicht Die Bahn fährt nicht, die Digitalisierung muss nicht ausreichen und ich kriege das Vertrauen nicht nur darüber zurück dass ich diese Probleme behebe.

00:43:27: Ich kriege dieses Vertrauen zurück wenn die Leute Das Gefühl haben dass ich ihnen vertraue.

00:43:33: Also ich muss als Politik Vertrauen geben sonst krieg' ich niemals welches zurück.

00:43:39: Wir wirken so, als würden wir uns hinter Floskeln, Schachtelsätzen, Panzersetzen und sonstiger Unklarheit der Sprache verstecken.

00:43:48: Während die Feinde der Demokratie vieles nicht haben aber an Klarheit in der Sprachemargelstehne nicht.

00:43:55: Und ich glaube dass wir einfach mal deutlich mehr unser Visier hochklappen müssen.

00:44:00: Können die Wahrheit echt ab?

00:44:02: Wir sollten nicht so tun, als würden wir alle schon.

00:44:04: Und darüber uns verkleistern, dass uns niemand mehr

00:44:06: versteht.".

00:44:07: Also es gibt ja auch mir fallen jetzt spontan zwei Politiker, das heißt ein Politiker und eine Politikerin ein, die in diesem Jahr bewiesen haben, dass sie auch gegen alle Trends plötzlich mit großem persönlichen Einsatz politisch erfolgreich sein können – zuletzt Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern paar Monate davor, Cem Özdemir der gegen alle grünen Trends dieser Republik plötzlich Baden-Württemberg geholt hat.

00:44:36: Ja

00:44:37: und wenn sie sich die Sprachen anschauen klar dann sieht man das.

00:44:41: Wenn ich jetzt mal eine Spirale in der Zeit zurückdrehen darf es gab so eine ähnliche Zeit unter Merkel.

00:44:48: da waren alle nicht ganz so hart wie heute Nicht ganz so brisant, aber damals gab es zwei Ministerpräsidenten die sehr stark durchgestochen sind.

00:44:59: Durch ein Nebel von Unklarheit.

00:45:03: Das waren Bodo Ramelow und Winfried Kretschmann.

00:45:05: Und wenn man dazugehört hat wusste man warum?

00:45:08: Man hat sich nämlich verstanden auch weil man nicht einen Doktortitel hatte.

00:45:14: Dass sie Kretszmann hier loben würde ist jetzt glaube ich zu einfach.

00:45:17: Nimm mal Bodo Ramello.

00:45:18: Bodo Ramello baut Rot-Rot-Grün als Ihnen, als Ministerpräsidenten trotz riesigem Gegenwind.

00:45:26: Schreibt auch noch in den Koalitionsvertrag mit dicken Buchstaben rein was bis dahin die Linkspartei niemals konnten, nämlich die DDR war ein Unrechtstaat.

00:45:36: und dann – ich werde das nicht vergessen!

00:45:37: Ich habe es aber damals live in Phoenix gesehen und habe mich beäumelt.

00:45:41: der hat eine Pressekonferenz hundert Tage belangt.

00:45:44: Dann kommt er da hin und hat eine dicke Mappe auf.

00:45:46: Begrüßt alle ganz viele Kameras vor sich, schlägt die Mappe drauf, guckt rein... Da waren zehn Millionen Zahlen drin!

00:45:51: Die hat auch später noch vorgeladen.

00:45:52: Dann klappt er die Mappezone und sagt schön dass sie da sind.

00:45:56: Seit hundert Tagen gibt es jetzt Rot-Rot-Grün in Thüringen und es gibt immer noch Bananen.

00:46:02: Das war einfach nur geil, ich hab mich tot gelassen.

00:46:05: Und wir sind zu verdrampft!

00:46:06: Wir sind nicht lustig... Ulrich Siegmund der sicher eine Gefahr ist für unsere Demokratie.

00:46:15: Der hat einen lebendigen Wahlkampf gemacht.

00:46:16: Er war bei den Leuten verständlich, er war lustig und gut gelaunt.

00:46:21: Ich nehme meine Spitzenkanide raus aber das britt ganz viele andere Sachen aus wie begossene Pudel.

00:46:28: Das erweckt doch kein Vertrauen.

00:46:30: und wenn sie dann einen Mund aufgemacht haben, haben Sie eigentlich nur versucht nicht zu sagen.

00:46:33: Und das funktioniert so nicht?

00:46:34: Nur

00:46:35: noch mal fürs Protokoll Winfield Gretschmann viele viele Jahre Ministerpräsident der Grünen im Baden-Württemberg gab es vorher auch noch nicht Bodo Ramello, der erste Ministerpräsident der Linken.

00:46:47: Wobei – also wenn ich das von außen beurteile – Ramelo jetzt nicht der klassische Vertreter der Linkens ist, sondern ja auch in andere Parteien sicher bestimmte Anhaltspunkte

00:46:58: hat?

00:46:58: Ja aber es gibt Leute die sagen deshalb über Kretschmann und Öztemir auch.

00:47:02: Das Entscheidende ist doch dass diese drei Leute permanent ausstrahlen.

00:47:06: Ich bin nicht da um ein Parteiprogramm hervorzubeten, sondern ich bin da um zu gucken was das Land

00:47:12: braucht!

00:47:13: Sie haben Herr Nuri-Pur gerade gesagt, dass Politiker dazu neigen so in glatt geschliffenen Formulierungen sich hinter... ich weiß gar nicht hinter was zu verstecken.

00:47:23: Jetzt fällt mir ein wir haben mal vor anderthalb Jahren Heimspiel gemacht bei Apophika mit Riccada Lang also paar Jahre Ihre Partnerin im Vorsitz bei Bündnis Neunzig, die Grünen.

00:47:41: Die dann ich erinnere mich damals auch in diesem Gespräch gesagt hat.

00:47:46: erstens Auch Ich habe festgestellt dass ich immer vorsichtiger werde In dem was ich sage.

00:47:53: auch ich habe gemerkt Dass sich immer mehr zu einem Sprechautomaten mutiere und Fazit.

00:48:02: hinter all dem steht möglicherweise, einfach die Angst Fehler zu machen.

00:48:09: Haben Sie Tendenzen dieser Art bei sich auch beobachtet?

00:48:14: Ja und Riccardo hat natürlich wie immer recht.

00:48:16: aber sie sagen das Wort ist Angst und Angst ist nicht dass man startaufbauen kann und das ist ehrlich gesagt die wichtigste Botschaft.

00:48:27: Ich habe ein anderes Problem, ich hab zu wenig Angst vielleicht.

00:48:31: Ich hab einfach zu viele andere Wesenlichkeiten im Leben erlebt also dass ich jetzt irgendwie vom Shitstorm noch Angst haben kann.

00:48:38: Das ist nicht immer gesund als recht in diesem Betrieb aber richtig ist wenn die Zeiten ernst sind braucht es Leute die vorangehen und zum Vorangehen brauchen wir Mut.

00:48:49: Mut kann man nicht verordnen aber die die voran gehen wollen die brauchen den Und wenn sie da nicht haben sollen sich auch nicht versuchen voranzugehen.

00:48:55: Bedeutet das, man muss als Spitzenpolitiker der auch Karriere machen möchte eine eigene Panzerung aufbauen damit ihn nicht gleich jeder Shitstorm oder jedes Shitstörmchen irgendwie aus der Bahn wirft?

00:49:11: Natürlich.

00:49:12: Aber die Schlüsselfrage ist nicht ob der Panzerdick genau ist.

00:49:16: Die Schlüssel Frage ist ob der Panzer auch durchlässig ist.

00:49:18: für Empathie Wenn ich jetzt nur noch rumlaufe und du sagst mir doch egal ihr seid alle Verrückte Und das ist alles eine Kampagne gegen mich und jetzt alle so gemein zu mir, und es ist noch nie jemand so schlecht behandelt worden.

00:49:29: Dann steh ich aus wie

00:49:30: ein Eisblock!

00:49:31: Und dann wirkt gut... Es gibt Gründe warum in diesen Tagen das Wort Reform eigentlich nur noch gleichgesetzt wird mit sozialer Kälte weil das einfach nicht empathisch rüberkommt sondern nur nochmal im Taschenrechner

00:49:48: Wobei es da auch wieder das gegenteilige Argument gibt, Herr Nuri-Pur.

00:49:51: Es gibt auch Menschen die sagen... Ich will jetzt einen Friedrich Merz der die Empathie entdeckt und sagt ich bin einer der zuhört und der sich reinfühlen kann.

00:50:03: Nein!

00:50:03: Ich will einen Politiker, der die Probleme dieses Landes analysiert und sie dann einfach löst Punkt.

00:50:10: Klingt jetzt vielleicht sehr populistisch?

00:50:12: Nein,

00:50:13: ist nicht populistisches, total nachvollziehbar!

00:50:14: Ich will... geht mir auch so.

00:50:17: ich wünsche meiner Bundesregierung und das sollte ich als Opposition nicht immer sagen aber wirklich ein größtmöglichen Erfolg der Welt weil ich bin in erster Linie Staatsbürger dieses Lande sich möchte dass dieses land nach vorne kommt und wenn die Autobahnbrücken krümeln dann soll man die gefehle extrem modernisiert haben und zwar vor langer zeit.

00:50:36: Gleichzeitig ist es so, dass große Veränderungen verunsichern und die Leute wollen emotionalen Halt.

00:50:43: Und dafür reicht's halt nicht wenn ich immer noch ein paar Taschen rechnere Vorrechne wieviel ich von der Rente kürzen muss und warum die Pflegeversicherung nicht mehr funktioniert.

00:50:51: Jetzt gucken wir ganz am Ende unsere...

00:50:52: Ich muss aber darstellen das ich die Leute mitnehme und mit denen ich irgendwo hin will.

00:50:56: Jetzt schauen wir ganz an Ende unseres schönen Gesprächs kurz noch in die Zukunft.

00:51:01: Wann leiten Sie die nächste Bundestagssitzung?

00:51:05: Nächste Woche ist Plenarwoche und ehrlich gesagt habe ich nicht im Kopf, wenn ich Schicht habe.

00:51:11: Wir haben ein rotierender System wo wir alle die Präsidentin vertreten.

00:51:16: Ich weiß gar nicht ob mit vorhundert Donnerstag aber spätestens Donnerstag

00:51:18: Thema dann im Plenum?

00:51:20: Das

00:51:20: habe ich nicht im Krok, keine Ahnung.

00:51:22: Und ehrlich gesagt das kann man auch so nicht sagen weil wenn ich um siebzehn Uhr Schicht habe am Donnerstag ist stand jetzt auf der Tagesordnung um die Zeit als Thema XY.

00:51:32: aber dadurch dass wir hier keine Maschinen sind und die Zeiten nicht hundert Prozent eingehalten werden kann sich doch komplett verschieben sodass es ein anderes Thema ist.

00:51:40: Klingt aber nach Routine in diesem neuen Job der ja nicht mehr so neu ist, anderthalb Jahre.

00:51:45: Es braucht ja auch Routine!

00:51:46: Du musst da oben Ruhe ausstrahlen und die Leute, die Abgeordneten, die Öffentlichkeit muss das Gefühl haben dass du alles im Griff hast und daher hilft es ungemein wenn das Routine hat und wir haben ja ein Präsidium in dem alle fünf das erste Mal drin waren, das gab es das letzte mal neun vierzig.

00:52:04: ich finde wie wir uns eingefunden haben.

00:52:06: Ich bin sehr dankbar.

00:52:08: Im Übrigen hat das viel zu tun mit Julia Klöckler.

00:52:10: Der Bundestagspräsidentin, von der Robert Habeck ja gesagt hat er könne sich da was ganz anderes vorstellen.

00:52:17: aber das nur nochmal fürs Protokoll.

00:52:19: Robert kann Widerspruch vor mir ab.

00:52:21: ich kann Robert ist ein großartiger Mensch und ich habe viel mit ihm gearbeitet und hoffe auch viel mit dem in vielen Lebensbereichen arbeiten zu

00:52:29: dürfen.

00:52:30: Kommt er noch mal?

00:52:32: Das müssen Sie ihn fragen.

00:52:34: aber ehrlich gesagt

00:52:35: haben sie etwas gehört.

00:52:36: Wir reden viel und ehrlich gesagt, ich rede über andere Sachen mit ihm.

00:52:40: Weil es in erster Linie um Themen geht und nicht um Karrieren.

00:52:44: Und das zeichnet ihn ja auch aus.

00:52:46: Dafür bin ich sehr dankbar.

00:52:48: aber genau so ist es so, dass Robert und ich nicht irgendwie irgendwelche Klone sind und dementsprechend nicht die gleichen Meinungen haben.

00:52:56: und weil wir können es beide ab?

00:52:58: Wobei die Frage an Ihnen ob man sich eine Rückkehr in die Politik vorstellen könnte ja nicht ganz unwichtig ist.

00:53:04: Nein, aber wie nochmal?

00:53:05: Das müssen Sie infragen.

00:53:06: Das ist eine hochpersönliche Angelegenheit und wenn ich es wüsste, würde ich genau selber jetzt sagen.

00:53:10: Ihr Engagement bei den Grünen Fragezeichen zurückgefahren weil viel Zeit und Kraft und Energie eben durch diesen neuen Job im Bundestagspräsidium absorbiert wird.

00:53:21: Ich glaube dass die Trennung da eher eine Marginale ist.

00:53:25: Ich verdank meiner Partei so endlos viel und ich liebe sie für immer.

00:53:28: Und ich werde ihr helfen und alles geben, was ich

00:53:31: kann.".

00:53:32: Und ehrlich gesagt, es gehört sich so!

00:53:33: Das ist eine

00:53:34: Bringschuld.

00:53:35: Das war Ihr Schlusswort.

00:53:36: Danke fürs Gespräch.

00:53:38: Alles Gute.

00:53:38: Ihnen auch.

00:53:39: Vielen Dank.

00:53:55: Produktion Sarah Oma Ton und Schnitt Mia Becker.

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